Gerade in der Urlaubszeit, bekommen wir vermehrt von unseren Kunden anfragen, zur Reparatur von Feuchtigkeitsschäden bei Handys. Oft mit der Frage, warum das Handy nicht wasserdicht war. Wir klären einige Mythen zur angeblichen Wasserdichtigkeit auf und geben Tipps.
Sind moderne Handys wasserdicht?
JEIN. Die Hersteller bezeichnen die Handys oft als wasserabweisend und setzen das gerne mit wasserdicht gleich. Eine Garantie für die Wasserdichtigkeit gibt es in der Regel des Herstellers nicht. Feuchtigkeitsschäden gelten somit immer als Eigenverschulden.
Die Hersteller werben meistens mit den Schutzklassen IP67 und IP68. Darunter verbirgt sich folgende Definition und Zertifizierung:
- IP67: Schützt kurzweilig bei Untertauchen in Süßwasser bis zu 1 Meter und maximal 30 Minuten
- IP68: Bietet Schutz bei Untertauchen in Süßwasser, maximal 6 Meter bis zu maximal 30 Minuten
Der erste wichtige Punkt: Es ist nur die Rede von Süßwasser. Salzwasser greift Dichtungen an und hinterlässt beim Trocknen Kristalle, die zu Korrosion führen. Daher sind die Handys vor Salzwasser überhaupt nicht geschützt.
Der zweite wichtige Punkt: Stürze und Alter der Handys beeinflussen die Dichtigkeit. Während neue Handys zunächst ein kurzes Bad im Süßwasser unbeschadet überstehen, kann das nach ein paar Monaten völlig anders aussehen.
Der dritte wichtige Punkt: Nach einer Reparatur, z.B. Tausch vom Akku, gilt die Zertifizierung nicht mehr. Dabei ist es egal, ob die Reparatur von z.B. Apple selbst gemacht wird oder von einem Reparatur Shop. Selbst wenn die Reparatur sehr gut gemacht wurde, ist das Handy zu 99% nicht mehr wasserdicht. Daher sollte man gerade bei Handys, die repariert wurden, jegliche Feuchtigkeit vermeiden.
Was tun bei einem Feuchtigkeitsschaden
Unsere Checkliste:
- ausschalten
- äußerlich trockenreiben
- an einem trockenen Ort bei Raumtemperatur trocknen lassen (Kein Föhn!)
- nicht laden
Bei einem Bad in Salzwasser kann man das Handy mit einem feuchten Tuch (Süßwasser!) zunächst abreiben, bevor man es trocknet.
Mythos "Das Handy in Reis legen"
Leider ist das keine gute Lösung. Der Reis kann nur oberflächig Feuchtigkeit entziehen. Also nicht mehr, als wir auch mit einem trocknen Tuch erreichen können. Zudem kann der Stärke haltige Staub vom Reis, sich mit dem Wasser in den Handyanschlüssen verbinden und zusätzliche Schäden anrichten.
Besser geeignet sind sogenannte Silikagel (Kieselgel) Päckchen. Damit sind die kleinen Päckchen gemeint, die oft bei Elektronik in der Verpackung mit dabei sind. Diese dienen dazu, vorhandene Feuchtigkeit aufzusaugen. Im Gegensatz zu Reis, wird kein Stärkehaltiger Staub freigesetzt.
Fazit und Empfehlung
Oftmals ist nach einem Bad im Wasser das Display defekt und weitere Sensoren oder der Ladeanschluss. Die defekte treten dabei oft auch erst Tage oder Monate später auf. Die Korrosion im Gerät kann bei kleinen Mengen durchaus länger brauchen und muss nicht direkt zu einem Defekt führen.
Ob sich eine Reparatur noch lohnt, kommt sehr auf den Einzelfall an. Meiner Erfahrung nach würde ich kein Handy mit Wasserschaden mehr reparieren lassen. Mit einem iPhone 14 Pro Max musste ich die Erfahrung machen, das nach 3 Reparaturversuchen und dem Austausch vom Display sowie 2 Sensoren das Handy immer noch einige Fehlfunktionen hatte und die 260 € für die Reparatur herausgeschmissen waren, da ich mir ein neues Handy kaufen musste.